Dr. Jens Buchta: Es sind alle in der Pflicht

Dr. Jens Buchta

Herr Dr. Buchta, normalerweise zieht man gerne nach 100 Tagen im Amt eine erste Zwischenbilanz – nun sind es bereits 150 Tage, seit Sie vom Aufsichtsrat des FC Schalke 04 zu seinem Vorsitzenden gewählt wurden. Wie fällt Ihr Fazit dieser Zeit aus?
Es war eine äußerst intensive Zeit. Es waren nicht nur die Veränderungen nach dem Ausscheiden von Clemens Tönnies und Peter Peters, die über viele Jahre den Verein geprägt haben. Auch die wirtschaftlichen Herausforderungen waren bereits groß, sind aufgrund der Corona-Pandemie nochmal größer geworden und natürlich fordert uns die sportliche Krise enorm. Bei der wirtschaftlichen Stabilisierung kommen wir gut voran. Sportlich hat der Klassenerhalt höchste Priorität, denn um nichts anderes geht es.

Auch das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg hat nicht den ersten Saisonsieg gebracht – wie beurteilen Sie als Aufsichtsratsvorsitzender die aktuelle sportliche Situation rund um den FC Schalke 04?
Wir sind mit drei Punkten nach acht Spieltagen mitten im Abstiegskampf. Vor Saisonbeginn hätte ich trotz der schlechten Rückrunde der letzten Saison mit einer solchen Situation nicht gerechnet. Der Aufsichtsrat erwartet jetzt vom gesamten sportlichen Bereich, zunächst alles dafür zu tun, bis zum Jahresende eine Ausgangsposition zu schaffen, die uns die Möglichkeit zum Klassenerhalt bietet. 2021 kann es in den dann noch 21 Spielen allein darum gehen, den Abstieg abzuwenden.
Auch jeder Spieler muss verstehen: Es geht nur um Schalke 04! Für Egoismen darf kein Platz sein: Es sind alle in der Pflicht, jeder Einzelne. Die volle Konzentration muss allein auf Schalke 04 und den Fußball gerichtet sein. Aufgabe von Vorstand und Trainer ist es, dies konsequent und täglich zu fordern und mit aller Kraft durchzusetzen. Wir können unter Manuel Baum Ansätze der Besserung erkennen, bislang reicht es aber noch nicht über volle 90 Minuten, um endlich Spiele zu gewinnen. Dass die Mannschaft Fußball spielen kann, hat die Hinrunde der letzten Saison gezeigt.

Fehlt der Mannschaft nicht auch die Unterstützung der Fans in der VELTINS-Arena – auch wenn es nach den vergangenen Spielen sicher deutliche Kritik gegeben hätte? Wie kann sich das Team aus der Lage befreien?
Ich bin mir sicher, dass es keinen Verein in der Bundesliga gibt, dem die Unterstützung durch die Fans so sehr fehlt wie uns. Diese starke, intensive Verbindung zwischen Mannschaft und Fans war oft leistungsfördernd, zu manchem Sieg ist das Team von unseren Anhängern geradezu nach vorne gepeitscht worden. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass sich in dieser Saison am aktuellen Zustand nichts ändern wird. Eine Ausrede für schlechte Leistungen kann und darf das aber keinesfalls sein.

Es geht nur um Schalke 04!

Dr. Jens Buchta

Wie sieht der Austausch zwischen Aufsichtsrat und Vorstand in solch einer kritischen Situation aus?
Wir haben unseren Austausch bereits seit einiger Zeit insoweit verstärkt, dass wir uns neben den turnusmäßigen Sitzungen zusätzlich einmal monatlich mit dem Vorstand über die Entwicklungen austauschen. In der aktuellen Situation rücken Aufsichtsrat und Vorstand natürlich noch enger zusammen. So haben wir uns am Montag dieser Woche im Rahmen einer Telefonkonferenz intensiv gemeinsam mit Jochen Schneider mit der sportlichen Situation beschäftigt. Darüber hinaus tausche ich mich regelmäßig mit Jochen Schneider aus.

Die Corona-Pandemie trifft auch die Königsblauen nicht nur aufgrund fehlender Zuschauer­einnahmen mit aller Wucht – wie sieht die finanzielle Situation aus?
Die wirtschaftlichen Hausforderungen, die sich uns stellen, sind enorm. Das wurde zum Teil durch mehrmaliges Verfehlen des internationalen Geschäfts verursacht. Die Wucht, mit der uns die Corona-Pandemie getroffen hat, war aber nicht vorauszusehen und hat die Lage deutlich verschärft. In den Jahren meiner Mitgliedschaft im Aufsichtsrat war der Fußball immer ein Wachstumsgeschäft. Damit ist es – wahrscheinlich auch in der näheren Zukunft – vorbei. Wenn man plötzlich eine Saison ohne Spieltagseinnahmen und mit rückläufigen TV-Geldern planen muss, stellt das jeden Verein vor große Schwierigkeiten. Gleichwohl ist es uns gemeinsam mit unserer neuen Finanzvorständin Christina Rühl-Hamers gelungen, Schalke wirtschaftlich zu stabilisieren. Wir dürfen aber nicht die Augen davor verschließen, dass unsere wirtschaftliche Lage angespannt bleibt.
Ich werde sehr häufig auf eine mögliche Änderung der Rechtsform unseres Vereins angesprochen. Hierzu die klare Aussage: Schalke 04 ist wirtschaftlich weiterhin so stark, dass wir keinen Schnellschuss benötigen. Gleichwohl ist es aber die Pflicht von Vorstand und Aufsichtsrat, Konzepte für die Zukunft zu entwickeln. Dabei geht Qualität vor Zeit. Ich habe schon an anderer Stelle betont, dass am Ende allein unsere Mitglieder über ein solches Konzept entscheiden werden. Das ist in der Satzung so vorgesehen und auch der einzig richtige Weg.

Wie beurteilt der Aufsichtsrat die Vorgänge rund um personelle Veränderungen in der Geschäftsstelle, die in den letzten Wochen von den Medien aufgegriffen wurden?
Der Aufsichtsrat hat selbstverständlich auch diese Themen mit dem Vorstand besprochen. Veränderungsprozesse anzustoßen und umzusetzen ist, gerade wenn Mitarbeiter persönlich betroffen sind, nie einfach. Das darf aber nicht dazu führen, notwendige Veränderungen aufzuschieben. Dem Aufsichtsrat ist dabei wichtig, dass die Werte und die Kultur, für die Schalke 04 steht, ein wichtiger Leitfaden sind. Auf Basis dieser Werte muss der Vorstand stets handeln – natürlich in Verbindung mit der vom Aufsichtsrat ebenfalls erwarteten wirtschaftlichen Weitsicht.

Viele Fans machen sich angesichts des Tabellenplatzes und eines möglichen Abstiegs große Sorgen um die Zukunft von Schalke 04. Inwiefern spielt auch ein mögliches Zweitligaszenario in den Planungen des Vorstands bereits eine Rolle?
Die Planung eines Zweitliga-Szenarios ist bei unserem Tabellenplatz eine standardmäßige Anforderung der DFL im Lizenzierungsverfahren, so dass der Vorstand sich damit beschäftigen muss.
Aber nochmal: Wir sind in einer ganz schwierigen Situation, die uns möglicherweise bis zum letzten Spieltag unter Druck setzen wird. Aber alle, denen Schalke 04 wichtig ist und unser Verein am Herzen liegt, müssen bis zum letzten Spieltag alles für den Klassenerhalt tun. Auch wenn wir leider aufgrund der aktuellen Situation nur sehr begrenzten Kontakt mit Mitgliedern und Fans haben können, müssen wir noch enger zusammenrücken und für diesen großartigen Verein einstehen. Die stärkste Kraft von Schalke war immer der einzigartige Zusammenhalt. Gemeinsam haben wir damit in der Vergangenheit viele kritische Situationen bewältigt. Das muss und wird uns auch diesmal gelingen.

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